Berliner Azubis klotzen in Welzin

Das Echo kräftiger Hammerschläge prallt vom Fachwerk des Welziner Gutshauses zurück, eine Kreissäge kreischt, satt überdeckt vom Brummen eines Elektrohobels, dazwischen hallen kurze Wortfetzen… Elf Zimmererlehrlinge aus Berlin und zwei ihrer praxiserprobten Berufsschullehrer sind dabei, die Gutshaus-Veranda zu sanieren. Die Fenster sind raus, die originalen, vom Mörtel befreiten Mauersteine liegen gestapelt auf der Seite, das morsche Holz des Ständerwerks ist ausgebaut…

Es ist mittlerweile der dritte Sommer, in dem Lehrlinge der Berufsschule OSZ Bau- und Holztechnik Berlin-Weißensee zum Arbeiten (und Wohnen) in den Passower Ortsteil kommen. Nicht, weil die Ausbildungsbetriebe für die angehenden Zimmerer und Maurer keine Verwendung auf eigenen Hauptstadtbaustellen hätten. Nein, vielmehr ist es der mittlerweile drei Jahre alte Kooperationsvertrag, den die Berliner (damals noch als Martin-Wagner-Berufsschule) mit dem hiesigen „Actiontouren e.V.“ geschlossen haben. Der Pächter des Welziner Ensembles ist seit 2010 dabei, das über viele Jahre leerstehende Gutshaus zu sanieren. Bei sogenannten „Bausommern“ bietet er Kindern alternative Ferien unter fachlicher Anleitung. Die kommen super an. Von Anfang an aber war klar, dass die den auf Spenden angewiesenen Verein nicht ans Ziel bringen werden. Und das steht: Fertigstellung des Gutshauses 2030.

Als Verein und Schule vor drei Jahren zueinander fanden, war das für beide eine Win-Win-Situation. Während der Fokus der Bausommer seit sieben Jahren mehr auf dem Grundstück liegt, holen Sanierung/Restaurierung des Gutshauses nun auf. „Wir sind jetzt die zweite Woche mit Zimmererlehrlingen hier. Unser Ziel ist, das Fachwerk in den nächsten zwei Tagen fertigzustellen“, sagt Berufsschullehrer Rik Steinert. Generell wollen die Kooperationspartner möglichst viel der alten Bausubstanz erhalten. Noch mehr verlangt jetzt der Denkmalschutz, weshalb die ursprünglichen, übers Jahr im Unterricht der Zimmerer, Maurer und auch Bauzeichner gereiften Pläne kurzfristig geändert werden mussten. „Wir dachten, wir tragen die alte Veranda sauber ab, bauen das Fachwerk neu und unsere Maurer fachen es nächste Woche mit den alten Steinen aus“, sagt Lina, einziges Mädchen unter den Zimmerern. Stattdessen wird nur das wirklich marode Holz ersetzt.

Rik Steinert und sein Kollege Oliver Peters, die beide den Zimmererberuf von der Pike auf gelernt haben, stehen voll hinter dem Projekt. Auch oder gerade weil es für sie eine Herausforderung und authentisch ist. „Das hier ist keine bloße Theorie, hier arbeiten unsere Lehrlinge gemeinsam an einem Objekt, stellen Fragen, wollen Antworten, bringen sich mit eigenen Ideen ein“, so Steinert. Fachlich sei das unbedingt ein Plus, auch weil nur wenige der jungen Leute Erfahrungen mit Sanierungen im Bestand haben. „Weil wir aber auch hier wohnen, gemeinsam kochen und essen, macht das Projekt auch zwischenmenschlich was mit den jungen Leuten“, ist Oliver Peters überzeugt.

„Wir sind in die Planung einbezogen, können eigene Ideen einbringen“, zeigt sich Tim von der Fachwerkbaustelle begeistert. Während Mitschülerin Lina allerdings bedauert, in nur einer Woche kaum den Draht zu dem langfristig angelegten Projekt finden zu können, würde Tim es „feiern“, in den nächsten Jahren dabei zu sein, wenn das Gutshaus mit Hilfe der Berliner Lehrlinge zu alter Schönheit findet.

– Quelle: https://www.svz.de/17162056 ©2017

Die Baupläne haben die Bauzeichner der Schule gemacht. Für Rik Steinert (l.), Oliver Peters (r.) und die Azubis sind sie unverzichtbar.

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